Muslime distanzieren sich vom Terror „Wir wollen Stellung beziehen“


Foto: dpa

taz 18.01.2015

Deutsche Muslime distanzieren sich von religiöser Gewalt. Gegen Radikalisierung hätten Gemeinden wenig Macht, sagt der Vereinsvorsitzende der Berliner Sehitlik-Moschee.


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Vorstand der Neuköllner Sehitlik-Moschee befürchtet Anschläge


Foto: Massimo Rodari

Berliner Morgenpost 09.01.2015

Ender Cetin warnt vor wachsenden Vorbehalten gegenüber dem Islam. Als Reaktion fordert er mehr Unterstützung und Geld für die Mitarbeiter der Gemeinde.

Der Vorstand der Sehitlik-Moschee in Neukölln, Ender Cetin, befürchtet nach dem Attentat auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" in Paris auch Anschläge auf Moscheen. Das hat Cetin am Freitagmorgen in einem Interview im Inforadio des RBB gesagt. Er warnte vor wachsenden Vorbehalten gegenüber dem Islam. Sein Vorschlag zur Bekämpfung von Vorurteilen lautet: Statt einzelner Projekte müsse es langfristige strukturelle Programme geben – mit pädagogisch und psychologisch geschulten Mitarbeitern. Cetin erinnerte daran, dass eine spätere Radikalisierung von Jugendlichen eine Vorgeschichte habe. Meist beginne sie mit Kriminalität und familiären Problemen. Dem könne man vorbeugen.

In der Sehitlik-Moschee herrscht nach dem Anschlag in Paris große Aufregung. "Wir alle sind entsetzt, dass wieder im Namen unserer doch eigentlich friedlichen Religion ein Anschlag passiert ist. Wir machen uns auch Sorgen, dass Pegida jetzt wieder stärker wird und Anschläge auf unsere Moscheen drohen", so Cetin weiter. Er spüre durchaus stärkere gesellschaftliche Vorbehalte gegen den Islam, "in der Gesellschaft, unter Arbeitskollegen, teilweise auch in der Nachbarschaft".

 

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Heiko Maas besucht Sehitlik Moschee


Foto: AP

B.Z. 09.01.2015

Bundesjustizminister Heiko Maas besuchte die Sehitlik Moschee. Eine totale Überwachung lehnt der SPD-Politiker ab.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hat nach dem Terroranschlag von Paris für einen starken Zusammenhalt mit den islamischen Gemeinden in Deutschland plädiert. „Wir müssen mehr miteinander reden. Wenn man sich kennenlernt und miteinander redet, dann ist das der beste Beitrag dafür, Ängste und Sorgen abzubauen”, sagte Maas am Freitag bei einem Besuch in der Sehitlik Moschee in Neukölln, wo er mit Gemeindevertretern sprach.

Maas kritisierte Versuche von Rechtspopulisten, den Terror „zu instrumentalisieren und die Gemeinschaft zu spalten. Das dürfen wir nicht zulassen.” Er betonte: „Keine Religion, kein Gott kann so etwas rechtfertigen. Darüber besteht Einigkeit zwischen den Religionen. Und das ist der Beweis dafür, dass diejenigen, die die Taten von Paris als Bestätigung sehen für ihre Proteste, nichts anderes tun als Hass säen.”

Einen „Wettlauf um schärfere Gesetze” lehnte Maas ab. „Die Vorratsdatenspeicherung in Frankreich hat den Anschlag nicht verhindert.” Durch mehr Überwachung würde „unsere Freiheit in Mitleidenschaft gezogen”, sagte er. „Dann tun wir genau das, was die Terroristen wollen, wir gehen vor ihnen auf die Knie. Die totale Überwachung ist keine Antwort auf den Terrorismus.”

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Fastenbrechen in Berlin: Eine Nacht, besser als tausend Monate


Foto: Bodo Straub

Tagesspiegel 28.07.2014

Der Ramadan ist vorbei, weltweit feiern Muslime heute das Fest des Fastenbrechens. Höhepunkt des Fastenmonats war die Nacht der Bestimmung vergangene Woche. Ein Besuch in Neukölln.

Nur die goldene Spitze leuchtet noch. Den Rest des Minaretts erreicht die untergehende Sonne nicht mehr. Auf dem Platz vor der Sehitlik-Moschee in Neukölln ist Hektik ausgebrochen: Männer rollen Bastmatten aus, Frauen rufen nach ihren Kindern, andere eilen zum Waschhaus. Vor den Essensausgaben bilden sich lange Schlangen.

Gülen Hasan überprüft ein letztes Mal seine Teemaschine: Das Wasser ist heiß, der Tee auch, Becher und Zucker stehen bereit – alles in Ordnung. Er wischt die Hände an seiner roten Schürze ab, streicht sich über den Schnurbart und blickt hoch, über den Rand seiner Brille: Gegenüber tritt ein Mann auf den Balkon und ruft in ein Mikrofon: „Allahu Akbar“, Gott ist größer, der Ruf zum Gebet.

Stille breitet sich aus. Die Sonne ist untergegangen, die Nacht der Bestimmung hat begonnen.

In der Nacht der Bestimmung, auf Arabisch „Lailat al Qadr“ wurde nach muslimischem Glauben der Koran auf die Erde gesandt und durch den Engel Gabriel dem Propheten Mohammed offenbart. In der Regel wird sie am 27. Tag des Fastenmonats Ramadan gefeiert, also vom vergangenen Mittwoch auf den Donnerstag. Viele Muslime verbringen diese Nacht in der Moschee mit Beten und dem Lesen des Korans. Dort heißt es, diese Nacht sei „besser als tausend Monate. Die Engel und Gabriel kommen in ihr mit der Erlaubnis ihres Herrn herab“.

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Atlas für muslimisches Engagement - Im Zeichen der Moschee


Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Tagesspiegel 26.06.2014

Eine Berliner Studentin gibt in der Neuköllner Sehitlik-Moschee Unterricht in Gebärdensprache. Es ist eines von vielen ehrenamtlichen Projekten junger Muslime, die in einem Atlas vorgestellt werden.

 

Merve Böyükdipi sitzt vor ihren Schülern auf dem Teppichboden und macht das Zeichen für Moschee: Die Ring- und Mittelfinger bilden mit den Daumen eine Rundung, die zusammengeführt zwei Kuppeln darstellen. Dazu reckt Merve die kleinen Finger und die Zeigefinger in die Höhe. „Das sind die Minarette“, sagt sie. Janin, 20, aus Wilmersdorf bringt das zum Schwärmen: „Das ist so eine schöne Sprache.“ Sie lernt bei der Studentin Merve, 19, in den Räumen der Neuköllner Sehitlik-Moschee die Grundlagen der Deutschen Gebärdensprache.

Im vierten Semester studiert Merve Böyükdipi aus Schöneberg Audio- und Gebärdensprachpädagogik an der Humboldt-Universität Berlin.

Seit vorigem Sommer bietet sie einmal pro Woche ihren Sprachkurs in ehrenamtlichem Einsatz an. Es ist eines von 16 Projekten, die im „Atlas zur muslimischen Jugendarbeit in Berlin“ vorgestellt werden. Darunter sind Projekte wie „i,slam“, der Dichterwettbewerb für junge Muslime, ebenso wie Religionsunterricht in der Gemeinde. Den Atlas haben die Jugendlichen selbst erstellt, im Rahmen des Juma-Projekts, das unter dem Motto „Jung, muslimisch, aktiv“ eine Plattform für 15- bis 25-jährige Berliner Muslime bietet und von der Robert-Bosch-Stiftung finanziert wird.

Auch Merve hat am Atlas mitgearbeitet. Ganz zentral ist für alle Beteiligten ein Gedanke. Merve formuliert ihn so: „Wir wollen selbst für uns sprechen.“ Über muslimische Jugendliche werde so viel geschrieben und berichtet – Merve und andere junge, engagierte Muslime aus Berlin wollen sich jetzt selbst präsentieren. Dabei erhebt der Katalog keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Nach und nach wollen die Jugendlichen die Internetseite erweitern, auf der sich die Projekte als kleine rote Stecknadelköpfe über eine interaktive Karte Berlins verteilen.

Auf Merves Kursprogramm stehen heute das Deutsche Fingeralphabet, Grammatik und Vokabeln. Auch Sehri aus Steglitz sitzt mit im Kreis auf dem grünen Teppichboden im Erdgeschoss der Moschee. Sie reckt einen Zeigefinger in die Luft, dann den Mittelfinger dazu und beugt die Fingerkuppen zweimal nach innen. Danach fährt sie sich damit über die Wange. Das heißt: Ich bin 21 Jahre alt. Zunächst wollte Sehri nicht, als ihre Freundin Merve sie zum Kurs in Deutscher Gebärdensprache einlud. „Ich dachte dafür hab ich keine Zeit“, sagt Sehri. Doch dann lernte sie einige gehörlose Kommilitonen von Merve kennen. „Die haben sich so bemüht, mit mir zu kommunizieren. Das hat mich sehr berührt.“ Wenn die sich so bemühen, dachte sie, sollte sie das auch tun.

Auch Sehri hat am Atlas mitgearbeitet. Sie hat den Beitrag zur Jugendarbeit der Sehitlik-Moschee verfasst. Dazu gehören auch Moscheeführungen. „Wie oft kommt es denn vor, dass Besucher vor der Moschee stehen und sich überlegen: Darf ich da jetzt rein oder darf ich nicht rein?“, sagt Sehri. Der Atlas soll auch Nicht-Muslime einladen, die Angebote zu nutzen. Zur Vorstellung des Katalogs sagte die Berliner Integrationsbeauftragte Monika Lüke: „Muslimische Einrichtungen sind eine tragende Stütze der Jugendarbeit geworden. Das ist der Öffentlichkeit leider noch zu wenig bekannt und bewusst.“

Die Moscheeführungen gibt es inzwischen in acht Sprachen – eine davon ist die Deutsche Gebärdensprache. Merve hat die Führung übernommen. Viermal hat sie bereits gehörlose Menschen durch die Moschee geführt. „Die waren so überrascht, weil sie es überhaupt nicht gewohnt sind, dass es ein Angebot in ihrer Sprache gibt“, sagt Merve. Sie möchte das Bewusstsein für gehörlose Menschen stärken. „Niemand sollte in der Gesellschaft ausgeschlossen werden“, sagt Merve. „Für mich ist Gehörlosigkeit, genau wie ein Migrationshintergrund, kein Defizit für unsere Gesellschaft, sondern eine Bereicherung.“

Seit der Atlas erschienen ist, hat Merve viele Anfragen für die nächste Runde des Gebärdensprachkurses bekommen. Jetzt denkt sie darüber nach, einen zweiten Kurs einzuplanen, so groß ist die Nachfrage. Und jeder ist willkommen.

Der laufende Kurs in Deutscher Gebärdensprache findet immer dienstags ab 18.30 Uhr in der Sehitlik-Moschee statt, Columbiadamm 128, Neukölln. Infos über E-Mail: dgs.unterricht@gmail.com. Der „Atlas zur muslimischen Jugendarbeit in Berlin“ ist als gedruckte Ausgabe bestellbar über E-Mail: info@juma-projekt.de mit dem Betreff: Bestellung Atlas. Im Internet gibt es den Atlas auf www.juma-projekt.de.


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Ein Besuch in der Şehitlik-Moschee

 

„Das gegenseitige Kennenlernen baut Ängste ab!“


Foto: © privat

Aus der Reihe: Religionen im Gespräch Teil 3

Der Theologe Ender Çetin wirbt für mehr Austausch zwischen Religionen, Gesellschaft und Politik. Ein Interview:

 

Sehr geehrter Herr Cetin, wie sehen Sie die Situation des Islam als Religionsge- meinschaft in dieser Stadt heute?


Die Berliner Muslime, mehrheitlich ursprünglich aus der Türkei, haben diese Stadt mit ihrer Vielfalt seit über 50 Jahren in ihr Herz geschlossen. Der Islam ist und war eine religiöse Gemeinschaft unter anderen. Doch nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hat sich der Blick der Öffentlichkeit insbesondere auf den Islam und die Muslime fokussiert. Es wird viel weniger differenziert, häufig ist nur noch von „dem“ Islam die Rede, ohne zwischen den unterschiedlichen Strömungen und Glaubenstraditionen oder gar zwischen Religion und Politik zu unterscheiden. Seit dieser Zeit nehmen die muslimischen Verbände in der Stadt eine große Rolle im interreligiösen und interkulturellen Dialog ein. Die intention dabei ist, dass der Dialog und das Zusammen- leben aller Religionen und Weltanschauungen selbstverständlich wird. Denn in der Gesellschaft bestehen ohne Zweifel Ängste. Und durch diese Ängste entstehen Radikalisierungen, die wiederum auf muslimischer Seite Sorgen bereiten. Somit nimmt die Politik traurigerweise den Islam fast ausschließlich als ein sicherheitsspezifisches Thema wahr.


Gibt es aus Ihrer Sicht eine tragfähige Solidarität zwischen den Religionsgemeinschaften – etwa zwischen Christentum und Islam – wenn es um Streitthemen an der Schnittfläche von säkularem Staat und Religion geht?

Gerade beim Thema „Kopftuch“ merken wir auch in interreligiösen Dialogen, dass dies manchmal ein Streitthema sein kann, auch wenn es selten ist. Muslimische Verbände erleben von kirchlichen institutionen eine große Empathie. Beim Thema muslimischer Religionsunterricht gibt es mehr und mehr christliche Stimmen, die dies positiv sehen und sogar den Muslimen dabei behilflich sein möchten, wie man beispielsweise als Religionsgemeinschaft in Berlin die Anerkennung findet. Muslime erhoffen sich sehr oft, dass die Solidarität nicht auf religiöse Themen begrenzt bleibt, sondern dass man auch auf gesellschaftspolitische Themen wie Armut, Soziale Gerechtigkeit, Bildung, Gesundheit oder Kriminalität Bezug nimmt und in diesen Bereichen kooperiert.


Gibt es Grenzen des gegenseitigen Ver- stehens im interreligiösen Gespräch und sollten diese bestehen bleiben?

Es ist selbstverständlich, die Unterschiede zwischen den Religionen zu kennen und sie zu tolerieren. Es gibt interreligiöse Kreise, in der sogar besonders die Unterschiede betont werden. in einem vertrauensvollen Gespräch können die unterschiedlichen Anschauungen auch die Selbstreflexion stärken. Es geht ja im Gespräch nicht darum, den anderen zu überzeugen, sondern um zu verstehen und die Vielfalt, die es in dieser Welt gibt, zu akzeptieren. Das Kennenlernen baut zumindest Ängste und Vorurteile ab. im Koran heißt es hierzu: „Wir erschufen den Menschen aus Mann und Frau und unterteilten sie in Völker und Stämme, damit sie einander kennenlernen“ (Qur`an: Sure 49, Vers 13).

 

Sollten sich die Religionsgemeinschaften und ihre Verbände stärker in die politische Debatte um Soziale Gerechtigkeit und sozialen Frieden einmischen?

Aus muslimischer Sicht besteht die Auffassung, dass wir mit der Politik kommunizieren müssen, damit wir die anstehenden gesellschaftspolitischen Themen wie die soziale Gerechtigkeit besser gestalten können. Allerdings machen wir auch klar, dass wir als muslimische Verbände Formen benötigen, die uns ein Engagement im Sozialstaat formal sichern und dies auch finanzieren, so wie dies auch für die christlichen Verbände Diakonie und Caritas oder den paritätischen und den jüdischen Wohlfahrtsverband der Fall ist. Die Frage der gesellschaftlichen Anerkennung des islam und der muslimischen Religionsgemeinschaften hängt auch daran, wie ernst es dem Staat damit ist, dass wir uns in die Gestaltung der Gesellschaft einbringen. Wir wollen das und wir können das auch, etwa im Bereich von Bildung, Gesundheit oder in anderen sozialen Feldern, aber mit fast hundert Prozent Ehrenamt ist dies nicht möglich. Manche Akteure in Politik und Gesellschaft erkennen sehr oft das Potenzial der Religionsgemeinschaften nicht oder werten es ab. Dabei ist das Engagement vieler religiöser Gemeinden im Bereich der Präventionsarbeit oder in der sozialen Arbeit von unglaublichem Wert. Es gibt einen wichtigen Leitsatz, der sich in allen monotheistischen Religionen wiederfindet: „Wer einen Menschen rettet, rettet die ganze Welt“. Dieser ethische Anspruch ist Ansporn für die vielfältigen Formen sozialer Arbeit, die auch und vor allem die Religionsgemeinschaften leisten. Es zeigt, wie wichtig die Arbeit für die Gesellschaft ist und dass letztendlich alle in der Stadt davon profitieren.


Haben islamfeindliche Einstellungen in der Bevölkerung auch aus Ihrer Erfahrung zugenommen und wie gehen Sie mit dem Hass und der Ablehnung um?

Wir können nicht die Augen davor verschließen, dass es auch in Deutschland immer wieder zu Hassattacken gegen religiöse Einrichtungen kommt. in der Regel sind islamische und jüdische Ein- richtungen und Personen das Ziel. Allein auf unsere Moschee hat es in den letzten vier Jahren mehrere Brandanschläge gegeben, deren materieller Schaden glücklicherweise nicht groß war. Aber die Brandsätze haben zu großer Verunsicherung in unseren Gemeinden beigetragen. Eine zusätzliche Schwierigkeit bereitet uns manche mediale Darstellung des Islam. Wenn er thematisiert wird, dann nicht selten im Zusammenhang mit schlechten Nachrichten. Manchmal wer- den stereotype Vorstellungen des islam wiederholt oder die Religion selbst als bösartig wahrgenommen. Es ist schlimm, dass manche radikal Religiöse, oder besser religiös Verblendete, dieses schädliche Bild durch Aussagen im internet oder durch Taten in Kriegsgebieten noch bestätigen. Umso schwieriger ist unsere Arbeit als muslimischer Verband, da wir zum einen in der Öffentlichkeit gegen starke Vorurteile zu kämpfen haben und unter Muslimen gegen Halbwissen oder altertümliche Vorstellungen von Religiosität. Wir können Ablehnung und Hass mit Blick auf unseren Glauben zu über- winden versuchen, denn Allah erschafft aus seiner Liebe und Barmherzigkeit. „Wenn du hassen möchtest, dann hasse den Hass in deinem Herzen und bemühe dich, ihn auszumerzen. Und überdies richte deinen Hass gegen deine eigensinnige Seele, die dir den meisten Schaden verursacht, und bemühe dich, sie zu veredeln“, sagte ein islamischer Gelehrter einst. Wir versuchen gegen den Hass zu kämpfen und das geht eigentlich nur über Bildung, Aufklärung und Offenheit. Diese Arbeit leisten wir in den Verbänden, mit Jugendlichen, in der Öffentlichkeit und gegenüber der Politik. Die muslimischen Verbände sind offen für Begegnungen und Austausch, so können alle Bürgerinnen und Bürger Berlins am 3. Oktober in jedem Jahr unsere Moscheen von innen kennen lernen. Alle sind dazu eingeladen, denn wir möchten zeigen, dass die Muslime und der islam Teil die- ser Stadt, Teil des Landes und der Kultur geworden sind.

Ender Cetin hat Erziehungswissenschaften und Theologie an der Anadolu Universität in Eskişehirstudiert. Er arbeitet in vielen verschiedenen Bereichen mit Jugendlichen aus islamisch geprägten Herkunftsländern. Seine persönliche Biographie als Gastarbeiterkind aus einer türkischen Familie ermöglicht ihm einen unkomplizierten und empathischen Zugang zu den Jugendlichen. Unter anderem hat er in einem Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung eine Zusatzqualifikation als Dialogbegleiter erlangt und arbeitete in diesem Rahmen an zwei Brennpunktschulen in Neukölln. Durch seine jahrelange ehrenamtliche Tätigkeit bei der DITIB-Berlin (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) begleitet und führt er Schulklassen durch die Moschee und übernimmt dabei die Rolle des Mediators zwischen Schülern und Lehrern. Seit einiger Zeit ist er zudem hauptamtlich im Landesverband Ditib-Berlin tätig. Seit Juni 2011 ist Cetin Vorsitzender der Sehitlik Moschee Türkisch-Islamische Gemeinde zu Neukölln e.V. 


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"No-Go-Area" - Initiative gegen Antisemitismus gegründet


Foto: Amin Akhtar

Morgenpost vom 11.04.2014

Dass er Jude ist, erfuhr Armin Langer erst mit 16. Damals nahm ihn sein Vater mit zu einer Holocaust-Gedenkveranstaltung und erzählte ihm dort, dass seine Groß- und Urgroßeltern inAuschwitz waren. Dass er, der Vater, Jude sei, und Armin selbst auch. Langer ärgert sich nicht über seine Eltern, weil sie ihm diesen Teil seiner Identität so lang verschwiegen haben. "Ich verstehe sie", meint der mittlerweile 23-Jährige. "Sie wollten mich schützen." Sopron, die ungarische Kleinstadt nahe der österreichischen Grenze, in der Armin unter 40.000 Einwohnern aufwuchs, empfanden die Eltern als kein geeignetes Pflaster, um offen jüdisch zu sein.

 

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Der Platz wird knapp Muslimischen Friedhöfen in Berlin gehen die Grabstätten aus.


© Sven Lambert

aus Morgenpost vom 23.04.12

Auf den muslimischen Friedhöfen der Hauptstadt sind bald alle Grabstätten belegt. Christliche Friedhöfe werden als Alternative gehandelt.

Von Helga Labenski

Besorgt: Ender Cetin fürchtet, dass Muslime demnächst nicht mehr nach den Bestimmungen des Korans beigesetzt werden können

Wenn Ender Cetin über die islamische Abteilung des Friedhofs am Columbiadamm geht, hat er Sorgenfalten auf der Stirn. Der Vorsitzende des Moscheevereins DITIB-Sehitlik fürchtet, dass schon bald Berliner Muslime nicht mehr ihrem Glauben entsprechend beerdigt werden können.

Zuletzt bei der Beisetzung des in Neukölln erschossenen Burak B. habe er gesehen, dass im erst 2003 eröffneten islamischen Teil des Neuköllner Friedhofs nur noch wenig Flächen vorhanden sind. „Das ist ein großes Problem, das eilig gelöst werden muss“, sagt Ender Cetin. Etwa 300.000 Moslems leben in Berlin.

Nur rund 2.000 Grabstellen für eine Beisetzung nach islamischem Ritual stehen in der Metropole zur Verfügung in islamischen Abteilungen des Landschaftsfriedhofs Gatow in Spandau und des Friedhofs am Columbiadamm in Neukölln. Doch die sind beinahe alle belegt. Das Bezirksamt Spandau erwartet, dass in Gatow schon im Herbst kein Platz mehr in der islamischen Abteilung sein wird. Die rund 100 freien Grabstellen am Columbiadamm werden voraussichtlich wenige Monate später ebenfalls vergeben sein.

„Spätestens Anfang 2013 ist da Schluss“ sagt Neuköllns Baustadtrat Thomas Blesing (SPD). Der Bezirk Neukölln möchte die muslimische Abteilung gern nach Süden ausdehnen: Einen Teil der Tempelhofer Freiheit, der bis in die 30er Jahre schon einmal Friedhof war und dann für das Tempelhofer Flugfeld umgewidmet wurde, möchte das Bezirksamt Neukölln vom Land Berlin als Begräbnisstätte zurückhaben. Doch bislang habe der Senat auf dieses Anliegen nicht reagiert.

Denn die bisherigen Pläne sehen in Tempelhof vor, einen großen Park entstehen zu lassen. Am Rande des ehemaligen Flugfeldes sollen Wohnungen und Geschäfte gebaut werden. Im Zuge der Internationalen Gartenausstellung (IGA) sollen auch noch ein Picknick - Areal mit Gastronomie und Sportflächen entstehen.

In Gatow gäbe es zwar Platz für eine Erweiterung. Doch die dafür notwendigen Mittel fielen gerade Sparmaßnahmen zur Konsolidierung des hochdefizitären Bezirkshaushalts zum Opfer. 50.000 Euro, so schätzt Spandaus Baustadtrat Carsten Röding (CDU) würde es kosten, die islamische Abteilung in Gatow zu erweitern.

In einem ersten Schritt könnten dort auf einem 4000 Quadratmeter großen Areal rund 500 neue Grabstellen angelegt werden. Er habe die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung um finanzielle Hilfe zur Lösung des stadtweiten Problems gebeten – bisher ohne Erfolg, sagt Röding.

Allerdings sind islamische Verbände vom Standort Gatow am Berliner Stadtrand ohnehin nicht überzeugt. Sie würden einen Platz in Friedrichhain - Kreuzberg, Tempelhof - Schöneberg oder Neukölln bevorzugen. „Eben dort, wo die meisten Muslime auch leben“, sagt Ender Cetin.

Der Ausländerbeauftragte Günter Piening hatte die rund 15 im Berliner Islamforum organisierten Vereine bereits zu Gesprächen über die Friedhofsproblematik geladen. Die Idee, dass muslimische Vereine selbst einen Trägerverein gründen könnten, der Flächen für einen islamischen Friedhof in Berlin kaufen oder pachten könnte, gilt aber als kaum finanzierbar. Die muslimischen Vereine lebten von Spenden, weiß Ender Cetin. Doch allein aus Spenden und mit ehrenamtlicher Arbeit sei ein Friedhof nicht zu betreiben.

Bei der Suche nach einem Standort auf städtischem Gelände stellen auch die Anforderungen des Koran eine Hürde dar. Räume für eine rituelle Waschung müssen eingerichtet, die Gräber nach Mekka ausgerichtet werden können. Auch das Berliner Bestattungsrecht ist ein Problem. Zwar dürfen Muslime ihre Toten ihrem Glauben entsprechend ohne Sarg, im Leinentuch begraben. Doch mit der in Berlin üblichen Liegezeit von 20 Jahren ist die im Islam erforderliche ewige Totenruhe aber nicht zu gewährleisten. „Die Leute verstehen es nicht, wenn wir ihnen sagen, dass sie das Nutzungsrecht nach 20 Jahren verlängern müssen“, sagt Neuköllns Stadtrat Blesing. Und bei einem Reihengrab sei gar keine Verlängerung vorgesehen.

Dass Schätzungen zufolge 80 bis 90 Prozent der Menschen islamischen Glaubens ihre toten Angehörigen in ihren Herkunftsländern bestatten lassen, führen Experten darauf zurück, dass sie in Berlin eine Beisetzung nach den Regeln des Korans nicht gegeben sehen. Doch mit zunehmender Integration möchten immer mehr Berliner islamischen Glaubens in Berlin beerdigt werden. „Sie leben hier in der zweiten oder dritten Generation und sie möchten dort begraben werden, wo sie gelebt und gearbeitet haben“, sagt Cetin. Und die Angehörigen hätten den Wunsch, die Gräber ihrer Verwandten regelmäßig besuchen zu können.

Bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ist das Problem bekannt. „Wir arbeiten intensiv an einer Lösung“, sagt Sprecherin Petra Roland. Ihre Verwaltung habe alle Bezirke gebeten, zu überprüfen, ob auf den städtischen Friedhöfen freie Flächen für islamische Abteilungen vorhanden seien. Schlecht ausgelastete oder aufgegebene christliche Friedhöfe könnten ebenfalls Bereiche für Muslime abtreten.

Auch der Standort Tempelhofer Feld werde geprüft, betont Petra Roland. „Wir sind dazu weiter in der Diskussion“, versichert die Sprecherin – trotz der vorangetriebenen Planung zu dem Areal in Tempelhof.

Quelle: http://www.morgenpost.de/berlin/article106213620/Muslimischen-Friedhoefen-in-Berlin-gehen-die-Grabstaetten-aus.html

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